Skepsis wächst - GEW Personalräte- und Vertrauensleutetreffen zur Schulentwicklungsplanung
(24.05.2010) Nachdem der Magistrat der Stadt Rüsselsheim den Bericht zur Entwicklung der Schulen in Rüsselsheim und einen Beschluss zur weiteren Vorgehensweise der Öffentlichkeit übergab, diskutierten am 20.05. 2010 Rüsselsheimer Personalräte und Vertrauensleute die aktuelle Entwicklung. Dabei kristallisierten sich deutliche Kritikpunkte an der Beschlussvorlage des Magistrates heraus.
Trotz der nunmehr vorgelegten Zahlen war für die Anwesenden nicht nachvollziehbar, wie der Magistrat zu der Einschätzung kommt, dass es an den Rüsselsheimer Gesamt- Haupt- und Realschulen und an der Förderschule für Lernhilfe „weiterhin stark rückläufige Schülerzahlen“ geben wird. Problematisiert wurde auch die Frage, ob die Prognostizierung von Zahlen überhaupt seriös möglich ist und ob sie ausreicht, um eine qualitative Schulentwicklung voran zu bringen.
Ohne konkrete Erkenntnisse über die sozialen Verhältnisse von Schülerinnen und Schülern, ohne eine kritische Auseinandersetzung mit dem „Run“ auf die Gymnasien und mögliche Abbrecherquoten und ohne eine konkrete Diskussion um schulpolitische Notwendigkeiten, die sich aus dem hohen Anteil von Schüler/innen mit Migrationshintergrund ergeben, kann über die Zukunft von Schulstandorten nicht ernsthaft diskutiert werden.
Vor diesem Hintergrund kritisierten die Personalräte und Vertrauensleute die Beschlussvorlage des Magistrates, deren Handlungsorientierung alternativlos auf die Zusammenlegung von Park- und Ebertschule, auf den Umzug der Grundschule Innenstadt in das Gebäude der Parkschule und die Integration des Förderunterrichtes in die Regelschulen orientiert. Die Schulgemeinden sollen in aufwändigen Prozessen und unter Aufbringung von Mehrarbeit Konzepte entwickeln, ohne dass die Möglichkeit besteht, den Gang der Dinge ernsthaft zu beeinflussen.
Besonders kritisch sahen die Versammelten das Vorgehen zum Thema Inklusion. Die Integration des Förderunterrichtes in die Regelschulen wurde zwar grundsätzlich begrüßt, doch wurde festgehalten, dass auf der Seite der politisch Verantwortlichen in Rüsselsheim offenbar kein Verständnis für diese schwierige Aufgabe und die dazu auch vom Schulträger zu erbringenden Vorleistungen besteht. Inklusion erfordert zumindest einen hohen zusätzlichen Raumbedarf, einen Ausbau der Schulsozialarbeit und intensive Fortbildung aller Beteiligten. Zu glauben, hier könne ein Einsparpotential liegen, ist naiv.
Scharf kritisierten die Vertrauensleute und Personalräte auch die Verbindung von Schulentwicklung und Haushaltskonsolidierung. Der mittlerweile von einer Mehrheit der Rüsselsheimer Stadtverordneten verabschiedete Auftrag zu prüfen, ob „pädagogische Konzepte entwickelt werden können, die einerseits die Rüsselsheimer Schullandschaft qualitativ stärken und ... gleichzeitig Einsparpotentiale bieten können“ stelle für die Rüsselsheimer Schulentwicklung eine unerträgliche Belastung dar.
Sowohl das Konzept der Inklusion, wie auch die angedachte Fusion von Ebert- und Parkschule sind für die Fachleute nicht ohne einen erheblichen zusätzlichen Finanzaufwand denkbar. Hingewiesen wurde auch auf die Verunsicherung der betroffenen Kollegien, die eine Entwertung ihrer bisherigen Arbeit zur Schulentwicklung befürchten. Auf völliges Unverständnis stießen weitere Maßnahmen des Haushaltskonsolidierungskonzeptes, insbesondere die geplante Erhöhung der Gruppengrößen in den Betreuungsschulen, die Schließung des Lehrschwimmbeckens an der Gerhart - Hauptmann – Schule. und die Kürzung der Mittel für Schul- Sozialarbeit. Die Kürzung der Mittel für Schulsozialarbeit halten die anwesenden Vertrauensleute für absolut kontraproduktiv. Im Jugendhilfebericht wird im gleichen Atemzug davon gesprochen, dass die Ausgaben stetig steigen. Die Schulen erbringen mit der Schulsozialarbeit erhebliche Präventivleistungen, die nun beschnitten werden sollen. Das ist absolut kurzsichtig.
Diese Maßnahmen tragen sicherlich nicht zur Stärkung der Rüsselsheimer Schullandschaft bei.