Gesundheitsstudie für die Rhein-Main-Region ist unentbehrlich
Stellungnahme des Bürgermeisters von Hattersheim zur Greiser-Studie des Bundesumweltamts in Berlin # Jürgen Hasper, Verein LAERMBeauftragter für Öffentlichkeitsarbeit, Treburer Str. 47, 65474 Bischofsheim, Tel. 061441647 s-j.hasper@t-online.de
Zum Opelstadt news ArchivDurch eine aktuelle Veröffentlichung des Umweltbundes amtes sieht sich Hattersheims Bürgermeister Hans Franssen in seiner Einschätzung bestätigt, dass insbesondere nächt licher Fluglärm ein hohes Risiko für Erkrankungen birgt.
Das Umweltbundesamt hatte am 1. März einen Abschluss bericht über eine Fall-Kontroll-Studie zu kardiovaskulären und psychischen Erkrankungen im Umfeld des Flughafens Köln-Bonn mit dem Titel „Risikofaktor nächtlicher Fluglärm“ veröffentlicht.
Dazu Franssen: „In den vergangenen Jahren habe ich in der Diskussion um den geplanten Ausbau des Flughafens Frankfurt und in der Debatte um das versprochene Nachtflugverbot wiederholt darauf hingewiesen, dass Fluglärm krank macht. Durch die UBA-Studie ist für Herz-Kreislauferkrankungen nunmehr unzweifelhaft nachgewiesen, dass das Erkrankungsrisiko betroffener Personen mit zunehmender Fluglärmbelastung steigt. Es ist für mich völlig unverständlich, dass sich das Land Hessen weigert, eine Studie für die Region Rhein-Main in Auftrag zu geben. Zu Gunsten eines florierenden Luftverkehrs wird hier Russisches Roulette mit der Gesundheit Hunderttausender gespielt“.
Hintergrund
Im Auftrag des Umweltbundesamtes hatte Professor Eberhard Greiser bereits im Jahr 2006 eine epidemiologische Studie um den Flughafen Köln-Bonn durchgeführt. Ergebnis dieser Studie war, dass mit zunehmendem Dauerschallpegel ansteigende Verordnungshäufigkeiten von blutdrucksenkenden Arzneimitteln und von anderen Arzneimitteln zur Behandlung von Herz- und Kreislauf-erkrankungen festgestellt wurden. Bei Frauen fanden sich zudem erhöhte Verordnungsmengen für Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie für Arzneimittel zur Behandlung von Depressionen. Aufgrund dieser Ergebnisse wurde eine weitere Studie durchgeführt. Auf Basis der Daten von mehr als 1.020 Millionen Versicherten gesetzlicher Krakenkassen sollte im Rahmen einer Fall-Kontroll-Studie analysiert werden, ob und in welchem Ausmaß Fluglärm das Erkrankungsrisiko für solche Erkrankungen erhöhen könnte, die eine stationäre Krankenhausbehandlung erforderlich machen.
Erschreckende Ergebnisse
Die UBA-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass es bereits bei niedrigen Dauerschallpegeln zu einem linearen Anstieg des Erkrankungsrisikos für Herz- und Kreislauferkrankungen bei beiden Geschlechtern kommt. Auf dem Gebiet der psychischen Erkrankungen findet sich der Befund, dass sich bei Frauen die Erkrankungsrisiken für Depressionen signifikant erhöhen, vor allem im Zeitfenster für nächtlichen Fluglärm.
Konsequenzen gefordert
Der Hessische Verwaltungsgerichtshof (HessVGH) hat in seinem Urteil die vom Hessischen Wirtschaftsministerium im Planfeststellungsbeschluss vorgesehenen Nachtflugregelungen für rechtswidrig erklärt, da diese den besonde-ren Anforderungen an den Nachtlärmschutz nicht genüge. Hessens Ministerpräsident Roland Koch hatte jüngst in einem Antwortschreiben an die BfU Eddersheim die Revision gegen das Urteil auch damit begründet, dass der HessVGH die Revision wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache ausdrücklich zulasse und Hessens oberste Richter dies damit begründen, dass dem Bundesverwaltungsgericht Gelegenheit gegeben werde, sich grundsätzlich zu Fragen im Zusammenhang mit dem neuen Fluglärmschutzgesetz sowie zum Verhältnis von Fach- und Landesentwicklungsplanung zu äußern.
„Wenn sich das Bundesverwaltungsgericht auch zum Fluglärmschutzgesetz – und damit zu den darin festgelegten Grenzwerten äußern soll – dann müssen konsequenterweise auch aktuelle Erkenntnisse zum Erkrankungsrisiko mit einfließen. Die Hessische Landesregierung macht sich daher unglaubwürdig, wenn sie sich einer Gesundheitsstudie für die Rhein-Main-Region verweigert. Aufgrund der Tatsache, dass der Flughafen Frankfurt sowohl am Tag als auch in der Nacht eine viel größere Anzahl von Flugbewegungen abwickelt wie der Flughafen Köln-Bonn, ist zu befürchten, dass die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet noch gravierender ist. Eine Gesundheitsstudie für unsere Region ist daher unentbehrlich, um wissenschaftlich zu klären, wie schädlich Fluglärm insbesondere in den Nachtstunden tatsächlich ist und ob dem Recht der Bevölkerung auf körperliche Unversehrtheit Rechnung getragen wird. Haben die CDU/FDP-Koalitionäre etwa Angst davor, dass sich ihre überaus flughafenfreundliche Politik als gesundheitlicher Super-Gau für die Bevölkerung entpuppt?“, so die provokante Frage von Hattersheims Bürgermeister Franssen abschließend.
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